Imkerei Neber

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Imkerei Neber. Zwei Quereinsteiger, eine Leidenschaft!


Auch dieses Jahr im Sommer sind wir wieder für Regionen aus Österreich unterwegs, um die besten, tollsten, leckersten und verstecktesten kulinarischen Tipps der Region zu entdecken. Dieses Jahr wurden wir von der Hochsteiermark eingeladen, nach der Südsteiermark, genaur dem Sulmtal und Sausal, und ihren sanften Hügeln mit mildem Klima und jeder Menge Weinbau ging es also hoch in die Berge.

Gerade wenn man in Wien oder Umgebung wohnt, bietet sich die bergige Hochsteiermark perfekt für einen Wochenend-Trip zum Entspannen und Wandern an. Aber vor allem kulinarisch gibt es hier extrem viel zu entdecken, denn mehr als 13 Haubenköche sind mit ihren Lokalen in diesem kleinen Gebiet vertreten. Und das Beste: Von Wien aus ist man mit dem Zug oder Auto in nicht einmal 1  1/2 Stunden da, und wir wissen ja alle: wo eine kurze Anreise, da bleibt mehr vom Urlaub. Gerade auch im Herbst können wir euch die Region wirklich an’s Herz legen. Deswegen haben wir heute und die kommenden Wochen einige tolle Tips für euch, wie so ein Wochenende aussehen könnte. Unser erster Stopp führt uns zu zwei großartigen Menschen, die als Quereinsteiger seit einigen Jahren eine eigene Imkerei betreiben.

Das Ehepaar Neber hat vor rund dreizehn Jahren seine eigene Imkerei gegründet. Der kleine Familienbetrieb besitzt insgesamt 400 Völker, welche in ganz Österreich (!) verteilt sind. „Unfassbar, wieviel Zeit in solch einer Imkerei steckt,“ denken wir, als die beiden uns erzählen, dass sie jeden Tag quer durch Österreich unterwegs sind, um nach ihren Völkern zu sehen. Warum so verteilt? Nun, dadurch haben die beiden die Möglichkeit, unterschiedlichsten Honig zu produzieren (Wald, Wiese, Akazie, Sonnenblume, etc.) – je nachdem, welche Vegetation man in dem jeweiligen Gebiet antrifft.
Ungefähr alle 15 Tage muss ein Volk besucht werden, und von Mai bis September – in der Hauptsaison – sogar noch öfter. Wir durften mit ihnen zu einem ihrer Völker fahren und haben sie natürlich bei dieser Gelegenheit gleich mal ausgefragt.

Wie ist das mit…

…einem Bio-Betrieb in der Imkerei?

Die verbreitete Betriebsweise eines Imkers ist und bleibt ein klassischer Bio-Betrieb. Oft jedoch wird dies in der Massenproduktion nicht aufrecht erhalten. Die Nebers haben aber einen solchen Bio-Betrieb. Wichtigster Faktor hierfür ist der Bienenstock an sich. Dieser darf nur aus natürlichen Materialien bestehen (Holzbox, Bienenwachs). Milben, die Hauptschädlinge in der Bienenzucht, wurden früher mit Medikamenten bekämpft. Dies ist für Bio-Imker jedoch verboten, denn man hat festgestellt, dass das Medikament Rückstände im Bienenwachs hinterlässt, und solche Bienenwachs-Waben werden mehrere Jahre verwendet. Hier bleibt also nur die Bekämpfung mit Säure, sodass der Biene und dem Wachs nichts passiert und keine Rückstände bleiben.

… den unterschiedlichen Regionen?

Jeder Honig ist das Abbild seiner Region. Um eine möglichst hohe Vielfalt an Honig zu produzieren, haben die Nebers über 400 Bienenstöcke in ganz Österreich und produzieren so im Famileinbetrieb ca. 5—25 Tonnen Honig im Jahr. Die hohe Schwankung in der Menge ist durch Umwelteinflüsse, Witterung, Schädlingsbefall etc. nur schwerlich kontrollierbar.
Die Region Hochschwab steht für Wald und Wald-Blütenhonig
Die Region Steirisches Weinland und südliches Burgenland steht für Kastanienhonig
Die Region weinviertel steht für Akazien-, Sonnenblumen-, Lindenblüten-, Rosskastanien- und Rapshonig.

… der Größe eines Bienenstockes?

Ein Volk besteht aus etwas 50.000 bis 60.000 Bienen. Wahnsinn! Übrigens: Wenn das Volk zu groß wird (passiert meistens im Mai) zieht die Königin aus, nimmt ca. 1/3 des alten Volkes mit und bildet, meist in der Nähe des alten Stocks, ein neues Volk. Sobald die alte Königin weg ist, schlüpft die neue und übernimmt das zurückgebliebene Volk.

Notiz am Rande: Bene und ich durften letztes Jahr eben so ein Naturschauspiel live miterleben. Als wir gerade mal wieder bei unserem Lieblings-Heurigen waren, wurde der Himmel auf einmal schwarz und ein unglaubliches Brummen breitete sich aus. Tausende von Bienen flogen über und um uns herum. Der Winzer kam sofort, meinte nur, wir sollten „ruhig sitzen bleiben“ (was in dieser Situation nicht ganz so leicht war) und nach ca. 20 Minuten sammelte sich das neue Volk um die Königin an einem Zaun. In Minutenschnelle entwickelte sich – wie im Film – eine Bienentraube um die Königin und das Summen verstummte fast gänzlich. Der Winzer hatte daraufhin den Imker benachrichtigt, welcher Nachts kam, das Volk einfing und in einen neuen Bienenstock einnistete.

… der Königin? Wie wird man eigentlich Königin?

Eine wichtige Frage. Die Königin ist die einzige Biene, die Eier legt. Und zwar zwei verschiedene Arten von Eiern. Es gibt das befruchtete Ei (kleine Zelle), aus welchem eine Arbeiterin schlüpft und das unbefruchtete Ei (große Zelle), welches zum Männchen wird. Und dann gibt es noch verschiedene Wabengrößen. Wenn nun die Königin in die größte Wabe (9 mm) ein befruchtetes Ei legt, dann wissen alle, das wird die nächste Königin. Unfassbar, wie so ein System funktioniert, oder? Also ihr seht, die Größe ist entscheidend … und das Futter. Denn während die normalen Arbeiterinnen nur am ersten Tag Gelee Royal zu essen bekommen, wird die Königin in der 9 mm-Wabe durchgehend mit diesem gefüttert.
Eine Königin wird übrigens 3—5 Jahre alt, eine Trachtbiene maximal 6 Wochen, und einige wenige Bienen – und zwar die, die im Herbst schlüpfen und daher gut genährt sind – überleben den Winter und werden 4–6 Monate alt. Königin müsste man also sein.

… dem Gelee Royal?

Mit eben diesem Gemisch (Sekret aus Drüsen der Arbeiterinnen) werden im Anfangsstadium die Bienenlarven und bis zum Zeitpunkt der Verdeckelung die Königin gefüttert.
Manche Großbetriebe gewinnen eben dieses Gelee, indem sie einem Volk die Königin wegnehmen und präparierte Waben (alle mit 9mm Durchmesser) in den Stock einsetzten. Die Arbeiterinnen meinen so, überall neue Königinnen füttern zu müssen, die Larven werden aber schon nach ein paar Tagen wieder entfernt. Dies bedeutet einen erheblichen Stressfaktor für die Bienen, ist extrem unnatürlich und deswegen finden wir, sollte man generell auf solches Gelee verzichten und es nicht kaufen. Das Gleichgewicht eines Volkes wird zerstört, unnatürlicher geht es nicht in der Imkerei. Und das alles für ca. 500—600 g, denn mehr produziert ein Volk pro Saison nicht.
Übrigens: Der größte Anteil des Gelee Royal, das man im Handel findet, kommt aus China. Hm. Muss man nicht kaufen, oder was meint ihr?

… dem Überwintern?

In den Wintermonaten verkleinert sich der Stock von 50.000 auf ca. 15.000 Bienen. Nur die Königin und einige wenige überleben, die „Generation Herbst“. Der letzte Honig wird meist im August gewonnen, anschließend füttert man Zuckerwasser, da man ja durch das Ernten des Honigs den Bienen ihren Wintervorrat weggenommen hat. Der Stock wird verschlossen und erst im Frühjahr werden neue Larven produziert, welche wieder zu kurzlebigen Arbeiterinnen heranwachsen, die uns dann die ersten Bäume und Blumen bestäuben.

… dem „Ernten“ der Waben?

Geerntet wird in den Monaten Mai bis September, immer abhängig von der Lage, dem Wetter und der Art des Honigs. Honig ist reif, wenn sein Wassergehalt unter 18% gesunken ist. Der Imker nimmt eine Wabe vorsichtig heraus, kehrt langsam mit einem Besen die Bienen weg und nimmt die vollen Waben mit in seine Werkstatt.  In den Stock setzt er wieder leere Waben ein. Hier wird der Wachsdeckel mit einer Art Schaber vorsichtig entfernt, bevor die Wabe in die Honigschleuder kommt. Der gewonnene Honig wird nochmals gefiltert, um letzte Wachsstückchen heraus zu bekommen und anschließend gerührt. Durch das Rühren kristallisiert der Honig gleichmäßig und sieht schöner aus, der Schritt ist aber nicht unbedingt notwendig.

… einem Bienenstich?

Wenn eine Biene sticht, verliet sie ihren Stachel und ihre Giftblase. Und eben diese ist es, die uns Schmwerzen macht. Denn was macht man, wenn eine Biene sticht? Man haut drauf. Falsch! Denn an dem Stachel in der Haut hängt eine kleine Gitfblase. Haut man nun drauf, zerplatzt diese und das Gift kann schön langsam durch den Stachel unter die Haut eindringen. Man sollte sich also beherrschen und den Stachel vorsichtig mit dem Fingernagel „wegschieben“. Wird trotzdem weh tun. Unser Tipp (wirkt übrigens auch bei Gelsenstichen): Mit einem Feuerzeug, einer Zigarettenglut oder einem Hitzestick (gibt es in der Apotheke) ganz nah an den Stich heran gehen und ca. 30 Sekunden halten. Die Enzyme (Wirkstoffe) im Gift werden bei ca. 80°C zersetzt, und wenn man den Stich eine gewisse Zeit erhitzt, verliert das Gift so seine Wirkung. Aber nicht zu nah ran kommen, sonst habt Ihr gleich noch eine Brandblase.

Toll, was man dazulernt, wenn man für einige Stunden mit einem Imker unterwegs ist! Anschließend haben wir uns mit einem Gläschen Metwein aus der eigenen Produktion (Empfehlung!) den tollen Genusskeller der beiden angesehen. Hier kann man sich durch die unglaubliche Vielfalt an Honig kosten, den Metwein probieren und sich dann für die nächsten Monate mit Honig eindecken.

Schließen wir mit einem schönen Zitat der beiden:

„Jeder Honig ist auch das süße Abbild einer Region, in der gesammelt wird. Die Vielfalt der Nektare der verschiedensten Pflanzen ergibt auch einen Reichtum von bis zu 200 verschiedenen Inhaltstoffen, wie Frucht- und Traubenzucker, Pollen, Mineralstoffe, Proteine, Enzyme, Aminosäuren, Vitamine, Farb- und Aromastoffe und macht deshalb Honig zu einem wahren Lebenselixier.“

 

IMKEREI NEBER

Am Straßenfeld 14 | 8605 St. Lorenzen im Mürztal
0043 3862 344 46
office@neber.at
www.neber.at

 

Auch an dieser Stelle möchten wir es dennoch nicht versäumen, uns bei dem Tourismusverband Hochsteiermark, der Autovermietung OPEN UP (Oh, das VW Beetle Cabrio war extrem cool) und der Agentur Gassner & Hluma communications zu bedanken.

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