Porcella

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Ein gemeinsamer Tag im Kamptal.


Da standen wir nun. Gestern morgen um 09:30 Uhr am Burgtheater. Empfangen wurden wir von Miriam & Gregor von Porcella. Dick eingepackt hatten wir uns auch, der Regen hatte Gott sei Dank gerade aufgehört und wir hofften, dass es wenigstens an diesem Tag trocken bleiben würde, denn ein Ausflug war geplant. Grosse Vorfreude bei uns beiden, denn – ob ihr es glaubt oder nicht – Bene und ich waren noch nie im Kamptal.
Um so mehr haben wir uns über die Einladung von Porcella gefreut, die vor wenigen Wochen bei uns im Posteingang landete. Es geht um Turopolje-Schweine, das Waldviertler Blondvieh, Fleischraritäten in einer Burgruine, Kamptaler Schaumweine und ein Mittagessen aus regionalen Spezialitäten und selbst angebauten Kräutern. Aber alles der Reihe nach:

Beginnen wir bei unseren Gastgebern zu diesem Ausflug, Miriam & Gregor von Porcella: „Die Idee zu Porcella entstand mit der Suche nach einem Fleisch, das gut schmeckt, gut verarbeitet wurde und dessen Herkunft vertrauens- und unterstützungswürdig ist.“ (Zitat Porcella)

Auf der Suche nach eben solch einem Fleisch sind Miriam & Gregor irgendwann auf den Bio-Fleischer Schober aus Gars am Kamp gestoßen. Dieser hat es sich auf die Fahnen geschrieben, ausschließlich Fleisch aus dem Waldviertel lokal zu verarbeiten. Hierbei greift er nicht nur auf alte Rassen wie das Waldviertler Blondvieh zurück, sondern kann auch durch Zusammenarbeit mit den Biobauern der Region 100% biologische Produkte, frei von chemischen Zusätzen, anbieten. Der unglaubliche Geschmack entsteht aber nicht zuletzt dadurch, dass man dem Fleisch die ausreichende Zeit zur Reife gönnt, und nicht lediglich den Konsumenten schnell und effizient versorgen möchte.

Nur wer kann schon jedes Wochenende einfach mal so in’s Kamptal fahren, um sich sein Fleisch für den Sonntagsbraten oder den Speck für ein Abendessen mit Freunden zu kaufen? Das war auch der Gedanke der beiden Initiatoren und so kamen Sie bald auf die Idee, zusammen mit dem Bio-Fleischermeister Schober unter dem Namen Porcella eine Online-Platform mit Shop ins Leben zu rufen, auf welcher man Fleischwaren von ca. 30 Bio-Landwirten des Vereins Turopolje-Blondvieh-Waldviertel entdecken, kaufen und sich nach Hause liefern lassen kann.

Also starteten wir gestern mit anderen Foodbloggern zusammen Richtung Kamptal. Der erste Stop? Natürlich die Tiere, um die es ging: Die Turopolje-Schweine.
Habt ihr noch nie gehört? Um es mal total unfachmännisch zu beschreiben, sind das einfach unglaublich süße, meist gepunktete oder schwarze, riesige Schweinderl mit unglaublich großen Ohren.

Das Turopolje-Schwein

Das Turopolje ist eine sehr alte Tierrasse, welche von den inzwischen ausgestorbenen Siska-Schweinen (einem Abkömmling des mitteleuropäischen Wildschweines) abstammt. Ursprünglich kam diese Rasse in der Region zwischen Zagreb und Siska in Kroatien vor. Besagte große Ohren dienen übrigens dem Sonnenschutz der Tiere, weswegen es auch einiger Anstrengung bedarf, ihnen in die Augen zu schauen (oder zu fotografieren). Leider wurden sie während des Kroatienkrieges 1991 fast vollständig ausgerottet, nur mehr einige wenige Tiere konnten überleben. Drei davon fanden ihren Weg in den Tiergarten Schönbrunn und von hier aus ging es in’s Waldviertel, wo, in erster Linie dank des Einsatzes von Züchter Gerhard Bergmaier bald darauf die ersten Zuchterfolge zu verzeichnen waren.

Aber es gibt noch eine zweite, fast vergessene Rasse, welche ebenfalls im Waldviertel seit einiger Zeit wieder kultiviert wird: Das Waldvirtler Blondvieh.
Eine genügsame, wetterharte und dadurch optimal in Bezug auf Futter und Klima ans Waldviertel angepasste, alte Rasse, welche zwischenzeitlich ein wenig in Vergessenheit geraten war. Die Geschichte des Blondviehs kann man auch hier noch einmal nachlesen. Als besonderes Merkmal gilt ein enges Fett-Eiweiß-Verhältnis. Ein gehaltvolles Fleisch, in seiner Struktur zarter als Rindfleisch, nicht zuletzt, weil ihm seine Zeit zum Wachstum gegeben wird. Die Schlachtreife erreichen die Tiere mit frühestens zwei Jahren.

Auf unserem ersten Stop waren wir also zu Besuch bei dem Bio-Landwirt und Turopolje-Züchter Gerhard Bergmaier, welcher uns seine Schweinderl zeigte. Und das sind wirklich glückliche Schweine: Eine riesige Wiese – nun gut, Wiese vermittelt jetzt den falschen Eindruck, denn es sind halt doch Schweine – also sagen wir mal „umgegrabene Weide“ steht ein paar wenigen Turopolje ganz allein zur Verfügung. Die Tiere werden nicht schnell gemästet und unter Stress geschlachtet, sie leben ganzjährig draussen, wachsen langsam in einem natürlichen Lebensraum auf und werden lokal vom Fleischer selbst – und somit so stressfrei wie möglich – geschlachtet und direkt im Anschluss verarbeitet.

Bio-Fleischermeister Roman Schober

Nun ging es schon zu unserem nächsten Stop – der Wurst.
Denn in einem Keller der alten Babenberger-Burgruine in Gars reifen unter idealen Bedingungen die Produkte eben dieses Schweines heran. Dies ist das Reich von Roman Schober. Hier entstehen 100% biologische Fleisch- und Wurstwaren, nur regionales Fleisch wird im eigenen Betrieb geschlachtet und dann in einem langen Naturreife-Prozess ohne Zugabe von irgendwelchen Chemikalien (E-Nummern gibt es hier aus Prinzip nicht) zu gar schmackhaften Produkten verarbeitet.

Wir wurden gestern nicht nur mit leckeren Wurstspezialitäten aus Roman Schobers Reifekeller versorgt, sondern durften dazu auch einen prickelnden Sekt vom ortsansässigen Weingut Steininger verkosten. Das Weingut hat sich auf Schaumweine spezialisiert und produziert ausschließlich sortenreine, in der Flasche auf der Hefe (also nach der Champagner-Methode) vergorene Weine, unter Anderem aus den Sorten Grüner Veltliner, Riesling und Gelber Muskateller. Letzterer, wie zu erwarten, hefig und fruchtig im Geschmack, war Benes Favorit und wir kamen nicht umhin, ein Fläschchen des guten Tropfens mitzunehmen.

Die Weinbeisserei

So langsam wurde es dann Zeit, uns zu unserem letzten Stop zu begeben: Der Weinbeisserei. Denn nun hatten wir die Tiere getroffen, den Fleischermeister, welcher daraus die Produkte herstellt und nun ging es zum Essen und zum Koch, welcher in seinem Demeter-Betrieb aus diesen regionalen Produkten in Kombination mit selbst angebauten Kräutern und Gemüsen regional inspirierte Speisen zubereitet.

Die Weinbeisserei – übrigens ein wunderschönes Ausflugsziel für den Sommer – wird von den beiden Brüdern Matthias und Hermann Hager geführt. Hierbei steht Hermann Hager am Herd und verarbeitet die Turopolje-Schweinderl sowie wunderbare Stücke des Waldviertler Blondviehs in leckere bodenständige Gerichte, während sich Matthias dem Weinbau gewidmet hat und mit seinen biodynamischen Demeter-Weinen die Speisen seines Bruders abrundet.

Wir möchten uns auf diesem Weg herzlich bei Porcella für diesen sehr interessanten und perfekt organisierten Ausflug bedanken. Auch geht ein Dankeschön an Herrn Andreas Schwarzinger vom Waldviertler Tourismus, welcher uns die ganze Zeit begleitet und von seiner interessanten Initiative „Waldviertel – ganz mein Geschmack“ berichtete, welche gezielt regionale Betriebe wie die beschriebenen mit höchstem qualitativem Anspruch unterstützen will. Und von ihm gab es dann am Ende noch ein kleines, feines Präsent: ein Waldviertler Kriecherl-Brand von der Destillerie Weidenauer … Vielen Dank!

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